reflections

Ein Anfang einer Geschichte geschrieben von Carrie: Ohne Mutter. Ohne Hoffnung.

Zwei Wochen wartete ich auf die Rückkehr meiner Mutter aus dem Krankenhaus. Jeden Tag mit der Hoffnung, dass sie wiederkommen würde. Doch sie kam nicht zurück. Es geschah an einem Sonntagabend. Ich saß in meinem Zimmer bis mein Vater es mir mitteilte. „Schätzchen“, begann er. Er hatte Tränen in den Augen. „Ich weiß es ist schwer aber… deine Mutter… sie wird nicht zurückkommen…“ „Aber wieso nicht?“, ich konnte mir diese Frage nicht unterdrücken. Trotzdem ahnte ich es schon. Plötzlich schmeckte ich etwas Salziges auf meinen Lippen. Es waren Tränen. Ich weinte. „Sie ist…“, weiter sprach mein Vater nicht. Er nahm mich fest in den Arm. „Wir müssen jetzt stark sein!“, meinte er aber ich wusste, dass ich das nicht sein konnte. Nicht ohne meine Mutter. Verdammte Scheiße! Das darf einfach nicht wahr sein! Das darf es nicht! Verdammte Scheiße!!! Ich riss mich aus den Armen meines Vaters und lief  so schnell ich konnte. Ich wollte einfach nur weg von hier. So weit weg wie es nur ging…

Ich lief in den Wald. Dort bin ich früher immer hingegangen wenn ich allein sein wollte. Als meine Mutter noch für mich da war… Damals hatte ich ein kleines Baumhaus in einer großen Birke. Heute ist es nur noch ein morscher Haufen Holz auf einem Baum. Im Schatten der Birke liegen viele Bretter und Hölzer. Daneben ein kleiner Felsblock. Ich saß dort ziemlich lang bis ich wieder nach Hause zurückkehrte. Es fing schon an zu dämmern und meine Augen glänzten noch immer. Mein Vater war nicht zu Hause. Er hatte mir auf dem Küchentisch eine Nachricht hinterlassen:

 

Hallo Schätzchen!

 

Ich suche dich! Ich mache mir echt Sorgen. Wo bist du? Bitte ruf mich auf Handy an!

 

Dad

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als ich den Zettel las brach ich sofort wieder in Tränen aus. Wieso? Wieso hat sie mir das nur angetan? Verdammte Scheiße!!!

 

Von diesem Tag an schwänzte ich regelmäßig die Schule. Ich sollte zur Schule gehen und das weiß ich. Aber ich konnte nicht. Ich konnte mich einfach nicht überwinden. Meine Noten verschlechterten sich und eine gute Aussicht nach Abitur war es wohl auch eher nicht. Aber das war das Letzte, was mir Sorgen machte. Ich wollte einfach nur meine Mutter zurück! Ohne sie kann ich nicht leben!!!

 

Freitagmorgen am Frühstückstisch setzte mein Vater sich neben mich und erzählte etwas. Etwas von der Schule. Aber ich hörte ihm nicht zu. Mit Kopfschütteln ging er und sagte leise: „Lara, Lara…wie soll das in der Schule nur so weitergehen…“  Plötzlich konnte ich mich nicht mehr kontrollieren. „Ich kann nicht zur Schule!“, schrie ich und bereute es sofort. Mein Vater drehte sich um und sah mir tief in die Augen. Als wäre ich etwas, was er noch nie gesehen hätte. „Was?“, fragte er. „Nichts!“, sagte ich schnell und nahm meine Schultasche. „Ich muss los!“ Ich rannte so schnell ich konnte zur Bushaltestelle. Puh… Nochmal davongekommen. Das war echt knapp! Ich stieg in den Bus. Jetzt musste ich zur Schule. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

 

Als ich die Klasse betrat kam mir sofort Herr Böhning, mein Klassen- und Mathelehrer entgegen. „Schön, dass du wieder da bist!“, sagte er. „Das mit deiner Mutter tut mir Leid.“ „N-nein!“, stotterte ich. „Schon gut…“ Herr Böhning begab sich zurück zum Pult und machte die Klasse darauf aufmerksam sich zu erheben.

Die Mathestunde war ganz ok. Auch Deutsch und Biologie. Englisch zu Anfangs auch. Frau Nogal hatte mir das mit den Kopfschmerzen genauso gut abgekauft wie Herr Böhning. Nach der Begrüßung wurde allerdings alles viel schlimmer. „So“, begann sie ihren Satz. „Überraschungstest!“, rief sie mit ihrer piepsigen Stimme. Ich hasse diese Stimme!!! Ich hasse sie!!!!!!!!!! Der Test kam mir schwer vor, obwohl er eigentlich ganz einfach war. Nur ich konnte es nicht! Ich konnte nicht mehr klar denken und Vokabeln gelernt habe ich erstrecht nicht. Ich war kurz davor durchzudrehen und mit Sachen um mich zu werfen, aber ich konnte mich so gerade noch beherrschen und tat es nicht. Ich wollte nach Hause. Einfach nur nach Hause…

Irgendwann war diese Stunde zum Glück vorbei! Mein Testzettel war zwar fast halbleer aber das war mir egal. Plötzlich musste ich wieder an meine Mutter denken. Ich musste weinen. Doch ich wollte mich nicht blamieren und versuchte es zu unterdrücken. Aber ich musste weinen. Ich musste… Ich versuchte mein Gesicht in meinem Pullover zu verbergen. Doch es brachte nichts. Sie lachten. Alle lachten. Sie lachten mich aus. Als ich versuchte zu flüchten hielten sie mich fest. Es waren keine Schüler. Es waren keine Menschen. Es waren die Gedanken, die mich auslachten und vor denen ich flüchten wollte. Doch die Gedanken hielten mich fest. Sie ließen mich nicht gehen… Ich weinte immer mehr. Als es zur Stunde klingelte war mir auch das egal. Ich blieb hier! Hier in meiner Ecke in der Schule, wo mich keiner sieht. Hier wo nur die Spinnen leben und ich sonst ganz allein bin und weinen kann…

Doch natürlich bemerkten sie, dass ich plötzlich nicht mehr da war. Meine beste Freundin Jasmin stand vor mir und schaute zu mir hinab. „Ich habe nach dir gesucht. Frau Mofte wartet schon auf dich.“, sagte sie. „Ich weiß“, sagte ich und erhob mich. „Aber was ist denn los?“, fragte Jasmin plötzlich. Anscheinend hat sie jetzt erst entdeckt, dass ich weinte. „Ist es wegen deiner Mutter?“ „Ja“, gab ich zu und weinte immer mehr. „Du Arme“, sagte sie tröstend. „Willst du nach Hause? Ich sag dann Bescheid. Komm geh. Du brauchst ein ordentliches Bad und Ruhe. Das ist jetzt das Beste für dich.“ Ich nickte. Jasmin ist echt eine super Freundin. In solchen Momenten ist sie echt ein Engel! Eine bessere Freundin kann man sich gar nicht vorstellen!!! Ich kam noch mit zu Frau Mofte und sagte Bescheid sobald ich aufgehört hatte zu schluchzen und man mir nicht mehr ansah, dass ich weinte. „Mir geht es nicht gut“, meinte ich und Frau Mofte glaubte mir. „Aber nächstes Mal sag dann sofort Bescheid, ok?“ Ich nickte. Mein Vater holte mich mit dem Auto ab und fuhr mich ohne ein Wort zu sagen nach Hause. Erst als der Wagen auf der Auffahrt zum Stehen kam fing er an zu sprechen: „Denk nicht zu viel an deine Mutter. Das Leben geht weiter.“ Dann stieg er aus. Fast fing ich erneut an zu weinen aber diesmal konnte ich es unterdrücken. Auch ich verlies den Wagen und betrat mit meinem Vater das Haus. „Lara, das geht nicht“, sagte er als er  den Kamin anzündete. „Wenn du so an deine Mutter denken musst, müssen wir uns etwas Anderes einfallen lassen. So geht das nicht weiter! Versuche die Gedanken etwas zur Seite zu schieben ja?! Sonst kommst du ja noch auf viel Schlimmeres!“ Ich nickte, obwohl mir klar war, dass das nicht funktionierte. Ich kann diese Gedanken nicht einfach ausradieren. Das geht nicht! Ich kann meine Mutter doch nicht vergessen! Aber trotzdem gab ich mein Bestes. Ich nahm ein Bad, wie Jasmin es gesagt hatte und versuchte an was Anderes zu denken. Doch wie ich es befürchtet hatte wurde es noch viel schlimmer. Jetzt musste ich erstrecht daran denken. Nach dem Bad ging ich in mein Zimmer und sah Fern. Vielleicht würde das ja funktionieren. Und tatsächlich! Einen Moment lang dachte ich mal nicht daran. Das änderte sich aber sobald ich bemerkte, dass ich nicht mehr daran dachte. Naja… Zum Glück war heute Freitag und es war Wochenende…

Am nächsten Tag sah ich fast nur Fern um mich von meinen Gedanken abzubringen. Mein Vater war kurz nicht da und als er nach Hause kam hörte ich seine schleppenden Schritte. Doch es waren nicht nur seine Schritte. Es war noch jemand anders dabei. Aber wer könnte das sein. Normalerweise bringt mein Vater keinen Besuch mit. Ich schaltete den Fernseher aus und hörte genauer hin. Es waren helle klackernde Schritte einer Frau. „Mum!“, dachte ich zuerst, doch das war Unsinn. Plötzlich hörte ich meinen Vater die Treppe hochkommen und er betrat mein Zimmer. „Hallo Schatz!“, begrüßte er mich. „Sarah ist da. Sie ist zum Caffetrinken mitgekommen. Ich habe sie gerade in der Stadt getroffen und da dachte ich, ich könnte Sarah doch mal einladen. Es wäre nett, wenn du  nicht runterkommen würdest, solang sie da ist. Ich würde gern mit ihr allein reden. Ist das für dich okay?“ Ich nickte und wunderte mich. So seltsam habe ich meinen Vater ja noch nie erlebt. Zuerst sagte mir der Name nichts, doch als ich einen kurzen Blick in die Küche sah erkannte ich Sarah sofort wieder!

Sie war die Freundin meiner Mutter gewesen, als sie noch lebte. Sarah war immer sehr sportlich und trug meist Sportschuhe von Nike. Doch heute hatte sie richtige Damenschuhe mit Absatz an. Ihre goldenen Haare waren zu zwei geflochtenen Zöpfen gebunden und ihr Kleid, das schwarz wie die Nacht war, streifte leicht den Boden.

 

13.4.11 17:38

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Carrie (14.4.11 17:47)
Wie findet ihr die Geschichte bis jetzt?
Schreibt mir!
Eure Carrie ♥




•Sarah senseless• (14.4.11 17:57)
voll gute geschichte bis jetzt...würde gerne wissen wie es weitergeht...hast du eine fortsetzung?
und hast du das echt alles alleine geschrieben?


Carrie (15.4.11 08:59)
Danke! Ja die habe ich ganz allein geschrieben
Schön wenn sie dir gefällt. Noch habe ich aber keine Fortsetzung...Habe noch nicht weitergeschirben. Weiß auch noch nicht genau ob ich weiterschreiben soll...Wer ist dafür?
Schreibt mir ob ich weiterschreiben soll oder nicht!
Eure Carrie ♥

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